„Deswegen es auch, wenn es als Kleidung, Band oder sonstiger Zierrath vorkommt, sehr verdünnt  und hell angewendet wird, da es denn seiner bezeichneten Natur nach einen ganz besondern Reiz ausübt.“ 

Goethe über die Farbe Violett.

 

Jahrhundertelang war der Farbstoff Violett einer der kostbarsten überhaupt. Denn seine Herstellung aus den im Meer lebenden Purpurschnecken war unwahrscheinlich aufwendig und kostspielig. Entdeckt wurden die Schnecken übrigens durch Zufall von den Phöniziern. Heute wird der Farbstoff wohl nur noch in Mexiko von den Ureinwohnern tatsächlich aus Purpurschnecken hergestellt.

Lila – ein helles Violett – hat viele Gesichter. Als lila Latzhose der Frauenbewegung in den 1970er Jahren, als Farbe der Individualität und des Selbstvertrauens, der Kreativität und der Melancholie. 2014 wurde Lila von Pantone als „Radiant Orchid“ zur Farbe des Jahres gewählt.

Außerdem fällt mir zu Lila noch Alice Walkers wunderschöner Roman „Die Farbe Lila“ ein, ein Roman in Briefform, der das Leben einer afro-amerikanischen Frau Anfang des 20. Jahrhundert in den Südstaaten der USA beschreibt. Wer nicht so gerne liest, dem sei die Verfilmung von Steven Spielberg aus dem Jahr 1985 mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle ans Herz gelegt.

Mein Kleiderschrank enthält im Moment nicht viel lilafarbenes. Als vor ein paar Jahren Beerentöne in der Mode total in waren, habe ich mich einfach daran satt gesehen. Auch beim Stoffkauf greife ich eher nicht nach Lila. Bis ich diesen großartigen Flamingo-Stoff bei Karstadt in der Restekiste entdeckt habe.

2 Meter für 8 Euro! Da ich sowieso eine Bluse aus Webware zur Probe nähen wollte, dachte ich, es kann nicht schaden. Eine Flamingo-Bluse als „Arbeitsklamotte“ beim Malen ist genau richtig. Ok zugegeben, er ist jetzt nicht schreiend lila, eher so ein helles Lila-Grau. Und die zuerst beabsichtigte Probe-Bluse ist es auch nicht geworden.

Sondern eher so ein Ich-probier-mal-ein-Webware-Top-zu-nähen-Dings. Ausgangspunkt war das Top vom MAlotty-Schnittmuster von ki-ba-doo, das ich 2 Nummern größer als sonst zugeschnitten habe. Weil ich Lust auf Raffungen hatte, habe ich diese vorne an den Trägern und am Rückenteil eingebaut. Dadurch hatte ich dann viel zu viel Stoff im Hohlkreuz 😀 Also habe ich dort einfach wieder gerafft.

Außerdem habe ich das Top mit einer Knopfleiste genäht und passend zu den Flamingofüßen gelbe Knöpfe ausgesucht.

Aus der ganzen Wurstelei ist ein Top geworden, das ich sehr liebe und schon öfter ausgeführt habe. Es ist seit langem auch das erste Oberteil aus Webware, das ich trage. Vorher fand ich Hemden, Blusen oder Kleider aus nicht dehnbaren Stoffen immer unbequem. Das lag aber wohl daran, dass diese nicht richtig gesessen haben. Denn dieses Top, das ich mir ja quasi auf den Leib geschneidert habe, ist unwahrscheinlich bequem. Vor allem bei dem heißen und schwülen Wetter, da der Stoff wunderbar leicht auf der Haut liegt.

Dieses lila Top wird für mich also sicher nicht der letzte Versuch bleiben. Vor allem in dieser hellen pastelligen Weise gefällt mir die Farbe dann doch ganz gut. Und auch bei „12 Colours of Handmade Fashion“ war ich bestimmt nicht das letzte Mal dabei. Wer mich kennt, weiß auch, dass mein Kleiderschrank-Inhalt recht grau ist. Es kann mir also nicht schaden, mich mit weiteren Farben auseinander zu setzen.
Jetzt bin ich sehr gespannt, was ihr anderen aus dem Monatsmotto gemacht habt!

 

Verlinkt bei 12 Colours of Handmade Fashion, Nähzeit am Wochenende